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Hörspiele Teil 1 – Jugendhörspiel

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In den letzten Jahren sind Hörspiele wieder in Mode gekommen. Ja richtig gelesen – WIEDER.  Denn dieses auditive Unterhaltungsmedium erlebte schon mehrmals einen gewaltigen Schub auf der Beliebtheitsskala.  Seit den 20’er und 30’er Jahren waren Radios das Unterhaltungsmittel der ersten Wahl. Neben musikalischen Klängen punkteten besonders Hörspielproduktionen. Das Radio gilt als Geburtsort des Hörspiels und pflegt sein Kind bis heute mehr oder minder aufwendig. In den 60’er und 70’er Jahren (meist auf Vinyl) waren Hörspiele besonders in Jugendzimmern (aber nicht nur) besonders gut vertreten. Fontana, Maritim, Peg, EUROPA und viele weitere Firmen brachten einen neuen Anstrich der Fantasie in die Kinderzimmer. Bis Mitte der 80’er Jahre stiegen die Verkaufszahlen und das Angebot reichte von Heimatgeschichten, Krimis, Western, Weltraumabenteuern, Jungend-Detektiven, bis hin zur schaurigen Horror-Story.

imageDoch dann drängten sich andere Beschäftigungsmöglichkeiten in die Kinderzimmer der Republik. Computer, Spielkonsolen und neue TV Programme beschäftigten fortan die Heranwachsenden. Nachfolgenden Generationen bot sich ein stetig wachsendes, mediales Unterhaltungsangebot. Als Folge dessen verstaubten Hörspiele in den Verkaufsregalen der Geschäfte bis auf wenige Ausnahmen. Neuproduktionen versiegten, viele bekannte Serien erstarben, verschwanden schließlich ganz von der Bildfläche. Man spricht heute vom großen Hörspielsterben. Selbst Radiogrößen ala Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen und Sherlock Holmes erlebten magere Zeiten oder gar den Hungertod.

Bis in das Jahr 2000 war es sehr still am Hörspielmarkt. Nur wenige Serien konnten sich am Markt behaupten. Überlebt hatten wenige, einige davon: Die drei Fragezeichen, TKKG, Benjamin Blümchen und die kleine Hexe Bibi Blocksberg. Auch das Radio behandelte seine Zöglinge mit unter recht unliebsam. Die Wiederholungen traten sich gegenseitig auf die Füße, neue Werke auf den Programmlisten der Sendeanstalten wurden zu seltenen Gästen.

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Die KASSETTENKINDER

Jugendliche, die mit Hörspielen aufwuchsen, haben sich um einen besonderen Namen verdient gemacht. Man sprich von den so genannten Kassettenkindern, zu vergleichen mit der Generation Golf. Kassettenkinder starteten in ihrer Jugend (und auch heute noch) mit dem obligatorischen Einschlafhörspiel in die Nachtruhe. Der Kassettenrecorder neben dem Bett avancierte zur Fahrkarte ins wonnige Traumreich.

Viel Zeit ist seit her verstrichen, auch die Kassettenkinder sind um Jahrzehnte gealtert. Gesättigt durch immer neue und dennoch gleiche Computerspiele, durch immer aufwendigere Effekte in Spielfilmen, schien das Hörspiel aus der Wahrnehmung vieler fast ausradiert.  Doch ein Kassettenkind bleibt ein Kassettenkind, vor allem im Herzen, dort wohin vermeintlich niemand schauen kann.

Im Jahr 2000 tauchte plötzlich die Hörspielserie GEISTERJÄGER JOHN SINCLAIR neu produziert am Hörspielfirmament auf. Zu hören waren Top-Synchronsprecher aus TV und Kino, Geräuscheffekte und Musik in nie gekannter Qualität. Der detailverliebte Produzent Oliver Döring, selbst ein Kassettenkind, hatte seine Affinität zuvor im Bereich Radio (z.B. die EINS LIVE RETTER) ausgelebt. Mit der Romanadaption des Geisterjägers von Jason Dark erfüllte er sich und Hörspielfreunden einen Traum. Die aufwendige produzierte Serie schlug wie eine Bombe ein. Eine Welle an Neuproduktionen folgte.

Nicht nur neue Hörspiele stehen seither auf der akustischen Speisekarte. Bei Kassettenkindern haben Hörspiele auf Dachböden, in Kellern oder an anderen Orten überlebt. Nach dem Impuls, den Döring ausgelöst hat, kramten viele Althörer ihre vergessenen Besitztümer heraus. Jan Tenner, Jerry Cotton, Hui Buh (das Schlossgespenst mit der rostigen Rasselkette), Flash Gordon, Ron Kelly, Macabros, Sherlock Holmes, Flitze Feuerzahn, die Masters of the Universe, die Fünf Freunde und viele weitere, fast vergessene Hörspiele erblickten erneut das Licht der Hörspielwelt. Nach und nach outeten sich viele Kassettenkinder, ihrer Hörleidenschaft. Einige gestanden, ihre Hörgewohnheiten nie ganz aufgegeben zu haben und in all den Jahrzehnten weiterhin mit Hörspielen eingeschlafen zu sein. Eine gigantische (neue/alte) Hörspielgemeinde entstand, organisiert durch das Internet. Infolgedessen entstanden viele Fanseiten, Hörspiel-Domänen und Projekte.

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Das Jahr 2000

Heute genießen Hörspiele und Hörbücher wieder ein hohes Ansehen. Ob als Urlaubslektüre im MP3 Player am Strand, Unterhaltung auf Autofahrten oder als Einschlafhilfe im heimischen (Ehe)Bett. Nicht nur der einsame Single lauscht den vertrauten Klängen, die für ein beruhigendes Einschlummern sorgen soll. Immer mehr Paare offenbahren bzw. bekennen sich zu dieser Art der Einschlafhilfe.

Waren Hörspiele lange unbeachtete Überbleibsel aus Kindertagen. Erfolgt dieser Tage wieder eine intensive Pflege dieser Hörkost. Egal ob alt oder neu, Serien werden vervollständigt, alte Einzelhörspiele in Internetbörsen hoch gehandelt. Für jeden Geschmack lässt sich etwas finden. Von den 3 ???, Kolumbus & Sohn, Francis Durbrige Krimis, Gabriel Burns, Pizza-Bande, TKKG bis zu Perry Rhodan, Kurt Wallander, Dorian Hunter, Winnetou oder Mark Brandis. Dabei schwingen die unterschiedlichen Produktionsjahre wohl verträglich im Hörerohr, egal ob aus den 60’er, 70’er, 80’er oder jenseits des Millenniums stammend. Hörspiele unterliegen der Interpretation und sind zu weiten Teilen zeitlos.

wpid-2013-01-20-12.00.05.jpgNicht alle Produktionen sind Lektüre für Geist und Horizont. Dies hat das Jugendhörspiel nie für sich beansprucht. Doch Hörspiele und Hörbücher haben eines schon immer vermocht, sie sprechen das Vorstellungsvermögen, die Fantasie und die Kreativität an. Das Gehörte wandelt sich im Geiste zum Bilde, dabei hat jeder einen eigenen Blickwinkel, ein ganz persönliches Erlebnis entsteht. Personen und Handlungsorte sind in der Gedankenwelt stets individuell. Ähnlich einem Buch stimmt die Vorstellungskraft das Bild einer Figur auf die eigenen Interessen ab. Helden entsprechen stets in Körperbau und Aussehen der Vorstellungskraft des Hörers.

Optisch zementiert können aufwendige Spezialeffekte in Filmen nur kurzfristig begeistern. Computer und TV langweilen den Verstand erheblich schneller. So manche Hörspielkassette soll es in den 70’er und 80’er Jahren auf weit über 100 Durchläufe gebracht haben. Trotzdem schwören viele Kassettenkinder, jedes Hören habe die Fantasie neu beflügelt, von Langeweile keine Spur.

Mag das Hörspiel in seinem Ursprung oft trivial behaftet sein, Spaß, Ablenkung und Unterhaltung gewährleisten Hörspiele unverändert, auch Jahrzehnten nach deren Produktion. Während Spielfilme aufgrund ihrer Kostüme, Ausstattung, Frisuren, Kleidung und CGI nach Jahren einfach nur noch lächerlich wirken, unterliegt das Hörspiel anderen Gesetzmäßigkeiten

Waren es zum Millennium noch Kassettenkinder, die diesen Trend vorantrieben, entdeckten bald auch jüngere Generationen diese Art der Unterhaltung. Laut einer Erhebung liegt das Durchschnittsalter des Hörspielkonsumenten heute um die 30 Jahre.
Aufwendige Produktionen, mit spannender Handlung, guter Musik und hervorragenden Sprechern stehen besonders hoch im Kurs. Hörspiel und Hörbuch/Lesung unterscheiden sich durch ihre Ausarbeitung. Hörbücher und Lesungen bieten oft nur eine/n Sprecher/in und keine akustische Untermalung. Während das Hörspiel mittlerweile einem Film ohne Bild entspricht. Professionelle Sprecher, einen Soundtrack und akustische Effekte in Kinoqualiät aufweist. Ein vielfältiges Angebot für jeden Geschmack.
Im nächsten Teil der Blog-Hörspielserie verrate ich, wo spannende Hörspiele legal und kostenlos im Netz zu finden sind. Meine Empfehlung, Blog abbonieren und dran bleiben.

Euer Uwe

Weitere Folgen der Hörspiel Blog-Serie …
HÖRSPIELE TEIL 1- Jugendhörspiele
HÖRSPIELE TEIL 2 – ARD Radiotatort
HÖRSPIELE TEIL 3 – Kostenlose Hörspiele
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Autor: Imort

Mitten im Leben, dabei wenn es sich lohnt.

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