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Krone der Grausamkeit

6 Kommentare

Gestern früh (ein Montagmorgen) erhebe ich mich frisch und ausgeschlafen aus den Federn. Der Wecker würde erst in 30 Minuten schrillen, ich bin mir selbst voraus. So weit, so gut. Mit Grauen erinnere ich mich an das zurückliegende Wochenende. Meine leicht verklebten Augen verraten mir, dass es sich dabei leider nicht um einen Albtraum handelt. Bevor ich mir das Ausmass der Zerstörung in meinen vier Wohnwänden anschaue, schlurfe ich mit langen Schritten Richtung Küche. Eine neue Teesorte soll die merkwürdigen Träume der letzten Nacht hinfort blasen und mir ein wenig Trost und Kraft schenken.

Die Krone der Grausamkeit

GRAUEN TEIL 1

wpid-lampe.pngBinnen Sekunden durchschreite ich die errichtete Luftschleuse, die den Rest der Wohnung von meiner Küche abtrennt. Energiebewusst, wie ich nun mal bin, schalte ich nicht die Deckenleuchte ein. Sondern berühre den Schalter der kleinen Wandleuchte. Mit einem kaum hörbaren Zischen, als würde die Lunte einer Stange Dynamit entzündet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Noch ehe ich mich darüber wundern kann, dass die Wandleuchte nicht im hellen Leuchtstofflicht erstrahlt, ertönt leises Knistern und ein lauter Knall. Diesem folgte eine kleine Goldfontäne an Feuerfunken. Dann weht übler Rauch, dicht und dunkel, wie aus einem Horrorfilm in meine Richtung. Ein Geruch von toter und qualvoll verendeter Elektronik liegt in der Luft.

Schnell stosse ich den Schalter der Lampe an und das Gerät somit aus. Die hereinströmende Frischluft vertreibt die giftigen Dämpfe. Mein Drang nach einem guten Tee hat sich ins Unermessliche gesteigert. Bevor ich mir die durchgebrannte Lampe näher anschaue oder mich dem Chaos im Rest der Wohnung widme, setze ich den Wasserkocher in Gang. Kurz halte ich inne, aber der böse Gedanke an das nächste Elektrounheil wird von der Realität besiegt. Der kleine Helfer leistet widerspruchslos seine Dienste ab, ich kann durchatmen.

GRAUEN TEIL 2
wpid-img_20150202_095347.jpgIch nehme den Weg zurück durch die Luftschleuse. Nach einem Kurzbesuch im Bad sind Augen und Atemwege frei und bereit sich dem vollen Ausmass an Grausamkeit zu widmen. Im Wohnzimmer angekommen erwarten mich nackte Wände, verrückte Schränke und Regale und ein unaussprechlicher Berg an Staub und Schmutz.

Am Wochenende wurde ein lange verschobenes Projekt realisiert. Eine Tür wurde versetzt und ein Durchgangszimmer zu einem abgeschlossenen Raum umgebaut. Dazu musste eine Wand durchbrochen werden.

STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB STAUB

Jeder der schon einmal im laufenden Wohnbetrieb Abbrucharbeiten durchführen musste wird diese mentale Hilflosigkeit und jenen Widerwillen kennen. Natürlich wurden die Möbel mit Renovierplanen geschützt. Selbst jener Mauerbereich, der mit purer Gewalt zum Einsturz gebracht wurde, wart mit einem Eigenkonstrukt durch Balken und Folie ummantelt. Aber dieser verdammte Feinknisel hat sich dennoch durch jede Ritze gedrängt und in der ganzen Wohnung verteilt.  3 Staubsauger konnten nicht verhindern, dass sich auf wirklich jeder Oberfläche ein milchiger Film niedergelegt hat. Die Küche blieb überwiegend verschont. Eine zusätzliche Schmutzschleuse verhinderte das Schlimmste. Nun soll man bekanntlich nicht verzagen und werde diese Woche nutzen um den im Hof gelagerten Bauschutt (12 Eimer) zu entsorgen.

GRAUEN TEIL 3
wpid-img_20150202_095959.jpgDa ich ausserdem einige Möbelteile entsorgen möchte, rufe ich beim Entsorger durch. Doch dessen Antwort, die nächste Abholung für Sperrmüll sei frühestens in 5 Wochen möglich, lässt mich meine Planung über den Haufen werfen. Dankend lehne ich das Angebot des sehr freundlichen KSR Mitarbeiters ab. Jetzt erst mal einen Tee pocht es in meinem Schädel. Mit Technik unter dem Arm verziehe ich mich in meine Küche, von wo aus ich diese Zeilen schreibe. Mit innerer Überzeugung rede ich mir ein, dass der Fencheltee den eingeatmeten Unrat aus meinem Körper befördert.

In den nächsten Tagen heisst es:

– tapezieren
– Sperrmüll
– Bauschutt
– defekte Küchenlampe
– Staub wischen
– saugen
– putzen …

Bei dem Gedanken, an, dass vor mir Liegende fühle ich mich wie an einem Freitag-Nachmittag. Nein, ich wünsche mir kein Mitleid von meinen Lesern. Diesen staubigen Mist musste ich mir nur mal von der Seele schreiben.

Zwei Bekannte haben mir schon ihre Putzdienste angeboten. Ein gutes Gefühl solche Hilfe in der Hinterhand zu wissen. Da geht es mir tatsächlich ein wenig besser … aber die Lampe an der Wand stinkt doch noch.

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Autor: Imort

Mitten im Leben, dabei wenn es sich lohnt.

6 Kommentare zu “Krone der Grausamkeit

  1. Hallo lieber Uwe,
    mein herzliches Beileid zu Schmutz und Durcheinander.

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. Fleißig fleißig. Aber das geht auch vor über.

  3. Ich sag‘ mal … „shit happens“ – und wenn alles wieder schön ist, du eine neue Lampe in der Küche hast, dann sagst du vllt.: „na ja, war alles nicht so schlimm.“
    Ostseegrüße, hier sieht’s auch aus wie gepuderzuckert, ist aber ein Hauch von Schnee 😉

    • Dann muss bei euch wenigstens nicht geputzt werden.
      Bin mir auch sicher, wenn die neuen Tapeten und Lampe hängen, ist es nur noch ein schlechter Witz.

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