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Wenn Werbung weh tut

12 Kommentare

Wenn ich am Samstag-Morgen unser Lokalblatt ausgelesen habe, was aufgrund seines Umfangs (6 Seiten) meist nach 10 Minuten erledigt ist, widme ich mich im Anschluss der Beilage. Die ausnahmslos aus Werbung besteht und deren Masse den der Nachrichten bei Weitem übertrifft. Genau genommen liegt die Zeitung der den Prospekten bei. Aber gut, das ist ein ganz anderes Thema.

Während schaumiger Milchkaffee meine Lippe passiert, schlage ich das Heftchen eines namhaften Discounter auf. Mein Blick fällt auf zwei Personen in einer Anzeige. Im ersten Moment scheint alles in Ordnung. Dann eine zweite und dritte Sichtung, unbewusst habe ich etwas wahrgenommen. Ich kann es nicht genau bestimmen, etwas stimmt ganz und gar nicht. Also schreite ich zur Analyse.

wpid-img_20140909_094221.jpgEin Accuschrauber wird beworben. Die Werbung zeigt uns eine Dame und ihren Liebsten bei der Heimarbeit. Während er das Befestigungsmaterial bereithält, bedient sie das kabellose Bohr- & Schraubgerät. Super, schließlich kann auch Frau anpacken. Das geht absolut in Ordnung.

Sie setzt den Schrauber auf die nackte Betonwand mit einem eingespannten Kreuzschlitz-Bit. Bitte was, tatsächlich Schraubbit & Betonwand?

Mit der flachen Hand schlage ich mir gegen die Stirn. Es fehlen Bohrloch, Dübel und … die Schraube. Sie beabsichtigt augenscheinlich, mit dem Schraubendreher-Bit ein Loch in die Wand zu popeln.

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Fazit:
Seufz – die wunderbare Welt der Werbung. Gestellte Emanzipation, grenzdebiles Grinsen und Löcher, die mit dem Schraubendreher in das Gestein geknattert werden. Hier fehlt eindeutig ein Warnhinweis. Werbung kann gefährlich sein!

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Autor: Imort

Mitten im Leben, dabei wenn es sich lohnt.

12 Kommentare zu “Wenn Werbung weh tut

  1. 😀
    Ich weiß, du magst nicht lesen, wenn ich mit Geschlechterrollen anfange – aber wer weiß, ob Blondi das außerhalb ihres Werbeengagements wüsste … 🙂

    • Da hast du absolut recht. Das steht ganz außer Frage. Ich will hier auch nicht Kompetenzen von Geschlechtern infrage stellen, sondern die Werbung. Ich denke es ist nur ein kreativer Zufall bzw. Einfall, dass hier kein blitzeblank sauberer, gut rasierter und tiptop gestylter Bauarbeiter am Werke ist.

      Frau Schrauber folgt schließlich nur Anweisungen am Fotoset. Man wird ihr das Gerät so fertig in die Hand gegeben haben, evtl. noch Anweisungen, wie sie zu stehen und den Gegenstand zu halten hat. Sie dürfte ihren Job zu 100% korrekt erledigt haben, incl. Ihrem Grinsegatten dahinter.

      Wenn, dann trägt der/die Aufnahmeleiter/in die Verantwortung. Aber weder bei den Aufnahmen, noch in der Retusche, noch in der Werbeabteilung des Auftraggebers, noch beim Layouten, noch in der Druckerei oder sonstigen Hürden und Kontrollen, die ein Bild bis zur Veröffentlichung nimmt, ist einem Werbespezialisten (egal ob W oder M) aufgefallen, dass Schraubendreher nicht in Beton bohren.

      Dies nenne ich nachgespieltes Leben bzw. Werbescheinwelt. Da sind alle Personen frisch geföhnt, jede Bügelfalte sitzt. Aber das, worum es eigentlich geht, das ist hier absolut sinnverkehrt.

  2. Hallo lieber Uwe,
    ich hätte mich sehr darüber gefreut, wenn ein männliches Model diesen Fehler dargestellt hätte. Wieder werden wir Frauen, scheinbar handwerklich inkompetent, abgelichtet. Dass dieser Unsinn andere Ursachen hat, dürfte auf der Hand liegen. Einen Vorsatz schließe ich aus, wie du schreibst, vermute ich eine Verkettung. Bei der Durchsicht wurde durchgewunken, jede Instanz hat sich auf die andere verlassen.

    Letztendlich ist dieser Fauxpas in der Prospektflut untergegangen. Denn auf Facebook hat daran bislang noch niemand Anstoß genommen. Dabei hätten doch die ach so handwerklich begabten Herren sofort aufschreien müssen. Doch die haben es wohl auch nicht bemerkt.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Hallo liebe Sandra.

      Ich finde, niemand verdient es so dümmlich abgedruckt zu werden. Besonders dann nicht, wenn diese Person nichts für Fehler kann. Ob männliches oder weibliches Model ist mir schnuppe. Meine Unparteilichkeit 😉 soll mir lange erhalten bleiben.

      Ich empfehle, Werbung kritischer zu sehen und zu hinterfragen. Sei es die Zahnpastawerbung, die uns nahelegt eine halbe Tube auf die Bürste zu drücken … oder eben mit dem Schraubbit zu bohren. Werbung hilft nur jenen, die uns ausnehmen wollen.

      • Das passt ja gut zum Werbe-Check, heute Abend, 20:15 Uhr, ARD! 😉

      • Danke für den Tipp. Den werde ich mir heute Abend genehmigen. 🙂

      • Tue ich auch!

      • Abendlicher Besuch verhinderte, dass ich den Werbe-Check schauen konnte. Gestern habe ich über die ARD Mediathek auf die Sendung zugegriffen.
        Interessant aber viel zu langatmig für meinen Geschmack. Außerdem muss ich gestehen, nicht alle Testprozeduren waren ernst zu nehmen. Bei den Kondomen wäre ich tatsächlich auf Seiten des Herstellers.
        Da es sich scheinbar um eine Serie handelt, bin ich auf die nächste Folge gespannt.

  3. Ich wollte kommentieren, aber das brächte die Frauenquote aus dem Gleichgewicht.

  4. Wenn ich das richtig sehe, hält der männliche Gehilfe Holzschrauben bereit, womit die Verteilung der gezeigten Inkompetenz in meinen Augen geschlechtertechnisch fair ist… 😉

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